Teil des Skulpturenweges am Walberla

Die Erzählkugel

Einige Motive aus der ERZÄHLKUGEL vom SKULPTURENWEG WALBERLA zwischen Kirchehrenbach und Schlaifhausen

Georg Neutzner, Kunst und Kultur Kirchehrenbach, Mai 2022 ’ für Heimatfreunde Kirchehrenbach
Der Bildhauer PETER SCHWENK aus der Nähe von Mühldorf am Inn besuchte Kirchehrenbach, bevor er mit der Arbeit an seiner ERZÄHLKUGEL begonnen hat. Ihn interessierte, was für unsere Gegend, für das Walberla, die ”EHRABÖRCH“ typisch ist. Diese Eindrücke, die wir vom Kunst- und Kulturverein Kirchehrenbach ihm in einem ”intensiven“ Wirtshausgespräch mitgeben konnten, hat er in seinem Kunstwerk verarbeitet.

Hier nun neun ausgewählte Elemente, bissel genauer erklärt:

Die rotflügelige Schnarrschnecke

Im Kalkmagerrasen der Ehrenbürg fühlt sich die Rotflügelige Schnarrschrecke wohl. Im Sitzen ist sie in ihrer natürlichen Umgebung bestens getarnt. Erst wenn sie auffliegt, verrät sie sich durch ihren klappernden Schnarrton und ihre heliroten Hinterflügel.
Kalkmagerrasen wachsen auf mageren, trockenen Kalkböden, die sich in der Sommersonne stark aufheizen können. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Auf der Ehrenbürg kommen diese auf dem Plateau und am Westhang vor. Genutzt wird das magere Gras als Schafweide. Wird die regelmäßige Nutzung aufgegeben, so verbuschen diese ökologisch so wertvollen Flächen.

DIE NONNEN AUF EHRENBÜRG & REIFENBERG

Der Legende nach lebten auf den beiden gegenüberliegenden Bergeshöhen in stiller Abgeschiedenheit Klosterfrauen.
Von Bamberg her vernahmen sie jeweils das Läuten der Totenglocken. Stets hielten sie dann inne in ihrer Arbeit, um für das Seelenheil der Verstorbenen zu beten. Eines Tages waren die Nonnen mit dem Aufhängen der Wäsche
beschäftigt, dazu benötigten sie weder Stützpfahi noch Leine. Sie hoben die Stücke einfach in die Luft, wo sie ohne jede Hilfe hängenblieben.
Da tönte wieder einmal das Bamberger Armesünderglöcklein herüber. ”Horch“, riefen sich die Nonnen zu, ”da wird einer zum Richtplatz geführt“. ”Er wird’sschon verdient haben,“ murmelte da eine, anstatt für den armen Sünder zu beten. Und ”Ratsch“, da riss mit voller Wucht ein heftiger Windstoß dieWäsche herab – und so oft sie es versuchten, die Wäsche hielt nicht mehr in der Luft, ja, niemals wieder.
Die Herzenshärte hatte den Zauber zerstört.

Der Uhu (Bubo bubo)

Auf der Rückseite der Ehrenbürg zwischen Kirchehrenbach und Leutenbach hat der Uhu sein Biotop. Nachts kann man sein zweisilbiges ”U-HU“ bis in dieDörfer hören.
Der Uhu ist 65 bis 75 cm groß, Ist nachtaktiv und hat auffallend große Federohren und Augen. Als Nahrung dominieren kleine Säugetiere, aber auch Vögel und Amphibien. Zur Fortpflanzung: 2-3 Eier in einer flachen Mulde, Brutdauer rund 35 Tage, es brütet nur das Weibchen, Nestlingszeit ca 5-10 Wochen.

Hexen auf dem Walberla

Die Angst vor Dämonen war in alter Zeit weit verbreitet, so auch in den Dörfern rund um die Ehrenbürg. Schutz erhofften sich die Dorfbewohner von der heiligen Walburga. Um die Walburgisnacht herum waren sie jedoch dem wilden Treiben der Geister hilflos ausgeliefert.
Man erzählte sich nämlich, Walburga habe die auf der Ehrenbürg hausenden Hexen und Dämonen gezwungen, ihr beim Bau der Kapelle zu helfen. Aus Dankbarkeit erlaubte sie ihnen, in der Nacht zum 1. Mai ihr Unwesen zu
treiben, wild zu tanzen, durchs Feuer zu springen und ausschweifende Orgien zu feiern.

Walburgiskapelle

Das Walberla ist benannt nach der angelsächsischen Äbtissin von Heidenheim, Walburga (710-779). Ihr ist die Kapelle auf der Ehrenbürg geweiht. Dorthin pilgerten die Wallfahrer seit alten Zeiten am Namenstag der HI. Walburga, dem 1. Mai.
Eine erste Kapelle gab es vermutlich bereits im 9.Jahrhundert. Die heutige Kapelle, im Kern gotisch, stammt aus dem 16.117. Jh. Das erste schriftliche Zeugnis über die Walburgiskapelle und die dazugehörige Kirchweih Ist eine Urkunde aus dem Jahr 1360. Darin wird auch der Name ”Ehrenbürg“ das erste mal erwähnt. (übrigens: der Name ’Walberla“ erscheint das erste mal 1768 in einem Brief Erlanger Studenten – und keiner der alten Kirchehrenbacher verwendet diesen Namen, für sie Ist und bleibt der Berg die ”EHRABÖRCH“).

Wein - Bier - Schnaps (&wieder Wein)

Im 17. Jahrhundert wurden die unteren Hänge der Ehrenbürg(Doggerterrassen mit Kalksteinhangschutt) zum Weinanbau genutzt. Später wichen die Reben dem Hopfen, denn Bier war zum neuen Volksgetränk geworden. Heute verwandeln die vielen Kirschen- und Zwetschgenbäume und Schlehenhecken die Ehrenbürg im Frühjahr in ein weißes, leuchtendes Blütenmeer und versorgen die Schnapsbrennereien rundum.
Eine Vielzahl an Bränden, Geisten und Likören halten die rund 200 rennereien bereit. Selten gewordene Sauerkirschen gehören ebenso dazu wie Schlehenbrand oder Apfeibrand, im Eichenholzfass gereift.
Übrigens: bis in die Fünfzigerjahre gab es noch einen kleinen Weinberg oberhalb Schlaifhausens, seit einigen Jahren wird von zwei engagierten Kirchehrenbachern wieder mit Erfolg Wein angebaut auf einer kleinen Parzelle zwischen Obstbäumen am Westhang der Ehrenbürg.

Obst- und Streuobstwiesen

Bis ins 11. Jahrhundert lässt sich die Geschichte des Obstanbaus zurückverfolgen. Sie ist eng verbunden mit dem Kloster Weißenohe, hier begannen die Mönche mit dem Veredeln der Wildbäume. Die Landbewohner regten sie an und schulten sie ebenfalls Obstbäume zu pflanzen und zu pflegen.
So prägen noch heute die Streuobstwiesen die Landschaft um den Hetzleser Berg, um Pretzfeld und Reifenberg und das Walberla. Für viele Tierarten sind sie unverzichtbarer Lebensraum und fördern so die Artenvielfalt. Nicht zuletzt dafür ist die oft mühsame Arbeit der Obstbauern von unschätzbarem Wert.

Kirschen

Kirschgärten wie aus dem Bilderbuch: stattliche Bäume mit dunklen, leicht gläzenden Stämmen, ausladenden Kronen und in der Sonne leuchtenden dunkelroten Früchten. Es gibt sie noch, auch wenn sie nach und nach von Niederstammplantagen abgelöst werden – weil leichter, und ungefährlicher wegen der bei Hochstämmen nötigen langen Leitern, zu bewirtschaften.
Mit mehr als 200.000 Bäumen verteilt auf 25 Quadratkilometern ist die Fränkische Schweiz das größte zusammenhängende Süßkirschenanbaugebiet Deutschlands. Bis vor zehn Jahren ernteten die fänkischen Obstbauern bis zu 8000 Tonnen Süßkirschen, ein Fünftel der gesamten deutschen Ernte. Heute bringen selbst gute Jahre nur noch knapp die Hälfte, denn auch hier bei uns macht der Klimawandel nicht halt.

Kirschenspucker

Ob in Kirchehrenbach, Mittelehrenbach, Wiesenthau, Weilersbach oder Pretzfeld – in keiner Grundschule rund um die Ehrenbürg durften während der Kirschenzeit die ”Kirschkernweitspuckmeisterschaften“ fehlen (zumindest in der Zeit vor Covid 19). So vier bis sechs Meter waren dabei schon eine gute bis sehr gute Marke.
In der Erzählkugel Ist der Kirschkernspucker mit aufgeblasenen Backen zu entdecken.

Verwendete Literatur:

– Die Ehrenbürg, Natur- Kultur -Geschichte, Martina Wesler, Toni Eckert (Hg, Leader plus Projekt)
– Die Ehrenbürg, Geologie – Archäologie – Volkskunde, Björn-Uwe Abels, Günter Dippold, Wolfgang Schirmer, Ermelinda Spoletschek, 2009 Kulturamt des Landkreises Forchheim
– Die Ehrenbürg-,,Walberla“: Informationen rund um den Berg, Georg Knörlein in ”Die Fränkische Schweiz“, Heft 2/2005
– Sagen, Legenden und Geschithten aus der Fränkischen Schweiz, Heinz Büttner 1988, Palm & Enke Erlangen
– Vögel Mittel- und Nordeuropas, Einhard Bezzel/Björn Gidstam, 1980 BLV München
– Nachhaltig & Köstlich, Genussmagazin der ”Fränkischen“, Corinna Brauer, Ebermannstadt